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Im Interview: Digitales Assetmanagement nimmt Fahrt auf

Veröffentlicht von Dagmar Hotze | 27. November 2017 |

Neben Investoren und Projektentwicklern zählen Asset Manager zu den Treibern der Digitalisierung in der Immobilienwirtschaft. Einige von ihnen, wie die Zürcher Markstein AG, deren digitale Innovationen wir bereits in einem früheren Blogartikel vorgestellt haben, gelten als digitale Pioniere innerhalb der Branche. In diesem Blogbeitrag schauen wir bei der Corpus Sireo Real Estate GmbH in Köln hinter die Kulissen und erfahren, wie dort die digitale Transformation des Asset Managements verläuft.

Blicken wir zunächst noch auf die diesjährige Expo Real zurück, wo erstmals das "Real Estate Innovation Network-Forum" (REIN) stattfand, das zukünftig zum Treffpunkt für etablierte Immobilienunternehmen (sog. "Grownups") und neugegründete PropTechs werden soll. Der Start der Plattform war vielversprechend: 54 Referenten inspirierten das Publikum mit ihren Ideen und realisierten Best Practices. Darüber hinaus präsentierten 27 Technologie-Newcomer ihre Digitallösungen hautnah zum Anfassen. Zeitweise quoll das Forum über vor interessierten Zuhörern. Mancher Messebesucher erzählte anschließend, dass er gerne die gesamte Zeit dort verbracht hätte, so spannend sei es gewesen. Besonders die vorgestellten Beispiele für umgesetzte Digitalprojekte fanden großen Anklang. Schließlich steht jedes Immobilienunternehmen vor derselben Herausforderungen: Die Vorteile der Digitalisierung für sich, Immobiliennutzer und Kunden erlebbar zu machen.

 

Erfahrung 1: Quereinsteiger mit Digital-Wissen mit einbeziehen

So weit, so gut. Doch wie geht ein Asset- und Portfoliomanager die Digitalisierung nun konkret an? Dazu ist ein Blick hinter die Kulissen der Corpus Sireo Real Estate GmbH in Köln interessant. Denn die dort gemachten Erfahrungen können anderen bei der eigenen digitalen Transformation des Assetmanagements helfen. Mit Marko Müller gibt es beispielsweise einen verantwortlichen Direktor für die digitale Transformation, der 

  • von der Ideenfindung im Team mit der jeweiligen Fachabteilung
  • über die Implementierung technologischer Tools
  • bis zur Schaffung digitaler Erlebnisse

in alle dazu notwendigen Innovationsprozesse im Unternehmen involviert ist. Dabei ist der Direktor fürs Digitale kein IT-Spezialist, sondern Betriebswirtschaftler mit umfassenden Kenntnissen in den Bereichen E-Business und Cloudanwendungen, die er von T-Systems und Salesforce mitbringt. Ein Quereinsteiger also, der kaufmännisches und webtechnologisches Know-how miteinander kombiniert, wonach Immobilienunternehmen händeringend suchen. Für
57 % der 300 vom Zentralen Immobilien Ausschuss e. V. (ZIA) und EY für die zweite Digitalisierungsstudie Befragten stellt der Fachkräftemangel eine der größten Herausforderungen im Rahmen der Umsetzung ihrer Digitalstrategie dar. Denn häufig sind es Branchenfremde, die durch ihren unverstellten Blick innovative Prozesse in Unternehmensorganisationen in Gang setzen.  

 

Erfahrung 2: Standardisierte Datenstruktur nutzen

So auch Digitaldirektor Müller, der zusammen mit Tim Brückner, Head of Portfoliomanagement bei Corpus Sireo, die Datenstruktur harmonisiert und digital salonfähig macht: "Wir bereiten alle Daten zu einer Immobilie gemäß Datenstandards wie dem gif-Standard auf. Damit sind die Daten für alle wesentlichen Prozesse im Rahmen des Fonds-, Portfolio- und Asset- sowie Property-Managements abrufbar", erläutert er. Am 1. Juni 2017 veröffentlichte die Gesellschaft für Immobilienwirtschaftliche Forschung e. V. (gif) die für Mitglieder kostenlose Version 2.0, die den Datenaustausch für folgende Prozesse unterstützt:

  • Bauprojekt-Berichtswesen
  • Vermarktungskanal
  • Kaufmännische Due Dilligence
  • Vermietungs-Benchmarking
  • Laufendes operatives Berichtswesen
  • Laufendes buchhalterisches Berichtswesen
  • Laufendes finanzwirtschaftliches Berichtswesen
  • Portofolio-Benchmarking
  • Betriebskosten-Benchmarking
  • Grunddaten Gutachtenerstellung
  • Bewertungsgutachten

Ergänzend fügt Portfoliomanager Brückner hinzu: "Wir nutzen die digitalisierten Daten auch für unsere Objekt- und Portolio-Businesspläne und für den Abgleich der Ist- und den Budgetdaten." Zunächst mag der datentechnische Hausputz aufwendig gewesen sein. Doch die transparenten Informationen - und vor allem die dadurch möglichen Erkenntnisgewinne - lohnen den Aufwand allemal.

 

Ausblick 1: Automatisierte Prozesse bei Rendite-Risiko-Analyse

Brückner ist davon überzeugt, dass das Portfoliomanagement weiter digitalisiert und automatisiert wird: "Das hilft uns, aus der Vielzahl von Daten die richtigen Rückschlüsse zu ziehen." Manuelle Prüfungen und Entscheidungen werde es jedoch weiterhin geben, denn individuelle Kundenanforderungen entzögen sich einer vollständigen Automatisierung von Entscheidungs-prozessen, ist sich der Portfoliomanager sicher. Seine Einschätzung deckt sich mit der der vom ZIA für die Digitalisierungsstudie befragten Experten, die das Potenzial von medienbruchfreien, digitalen Ökosystemen ebenfalls für besonders hoch und kurzfristig - innerhalb der nächsten fünf Jahre - realisierbar halten. Vor allem Investoren und Asset Manager sehen hierin enormes Potenzial, um eine Steigerung der Performance zu erreichen.

Zudem rechnet Brücker in den kommenden Jahren mit einer Zunahme automatisierter Prozesse bei der Rendite-Risiko-Analyse. Aufgrund mangelnder Datenverfügbarkeit und -qualität, etwa bei Objektdaten, wäre es bisher jedoch kaum möglich, valide zu analysieren. "Projekte von INREV, der europäische Fondsverband für ungelistete Immobilien-Vehikel, und dem Indexanbieter MSCI, werden hier in den nächsten drei bis fünf Jahren voraussichtlich für eine wesentlich bessere Datenbasis für Kontinentaleuropa sorgen." 

 

Ausblick 2: Daten-Spezialisten werden Asset Manger unterstützen

Demnach werden sich die Prozesse rund um das Immobilien-Assetmanagement im Zuge der Digitalisierung in naher Zukunft signifikant verändern. Wie verhält es sich da mit dem Anforderungsprofil an Asset- und Portfoliomanager? Auch das wird sich dem digitalen Wandel anpassen müssen, oder? "Das Immobilien-Asset- und -Investmentmanagement wird bei der Digitalisierung sicher noch für einige Zeit hinter dem Equity- und Debt-Asset- und Investmentmanagement zurückliegen", ist Brückner überzeugt, was primär an der Heterogenität der Anlagegüter, aber auch an der Ausbildung und den fachlichen Qualifikationen innerhalb der Immobilienbranche läge. "Wir brauchen sicherlich zukünftig auch Daten-Spezialisten in der Branche, das ist keine Frage. Die Ausbildung zum Portfoliomanager wird sich zunehmend dem Bereich Finance zuwenden", schätzt der Immobilienexperte.

Mit dem Intensivstudium "Digital Real Estate Manager" bietet die IREBS Immobilienakademie erstmals ab Februar 2018 eine Weiterbildung an, die die Digitalisierung entlang der gesamten Wertschöpfungskette

  • von der Projektentwicklung
  • über das Facility- und Propertymanagement
  • bis zum Assetmanagement und Transaktionen

in Theorie und mit Praxisbezug durchexerziert. Auch Trendthemen wie BIM, Big Data und Blockchain sind Bestandteil der Lehreinheiten.  

 

Über 27 Millionen Euro für Digitalisierungsmaßnahmen

Keine Frage, der digitale Wandel der Immobilienbranche hat gegenüber dem Vorjahr an Fahrt aufgenommen. Das belegt nicht zuletzt die zweite ZIA-Digitalisierungsstudie, für die 300 Mitarbeiter privatwirtschaftlicher und öffentlicher Immobilienunternehmen befragt wurden, darunter 51 Investoren und 39 Asset Manager. Interessant ist das Finanzvolumen, das in Digitalisierungsmaßnahmen investiert wird: Gemessen am Jahresumsatz der stärksten Klasse von über 250 Millionen Euro und einer durchschnittlichen Quote von 11 %, investieren international tätige Großunternehmen und Global Player jährlich im Schnitt immerhin 27,5 Millionen Euro in technologische Innovationen.

Im Vergleich zu der einen Milliarde Euro, die die Industrie in die Umsetzung von Industrie 4.0 laut Statistik-Portal "statista" in 2016 investiert hat, relativiert sich die Summe zwar. Dennoch zeigt die Investitionsbereitschaft, dass die Branche die Relevanz der Digitalisierung nicht nur erkannt hat, sondern auch in operative Maßnahmen umzusetzen weiß. Man darf also gespannt sein, welche Immobilienunternehmen als erste wie Online-Plattformen agieren. Höchste Zeit dafür wird es. Denn Branchenfremde haben den lukrativen Braten längst gerochen.

Möchten Sie sich über die Vorteile eines digitalen Immobilien Asset- und Portfoliomanagements informieren? Kein Problem, dann bieten wir Ihnen hier die Möglichkeit. Kontaktieren Sie einfach reamis für eine Demo Präsentation und lernen Sie die "Digital Real Estate Platform" kennen.

DEMO PRAESENTATION

 

Quelle: Corpus Sireo Real Estate GmbH

Veröffentlicht von Dagmar Hotze

Dagmar Hotze ist freie Journalistin und Videojournalistin und hat sich auf Zukunftsthemen der Immobilienwirtschaft spezialisiert.